Fotovoitaik

30.03.2010 • Photovoltaik boomt - für die Brandbekämpfung ergeben sich erhebliche Probleme

Von Christian Rost .
München - Die Geschäfte laufen gut in der Solarbranche. Weil die Berliner Koalition des umweltfreundliche erzeugten Stroms zum 1. Juli um 16 Prozent kürzen will, lassen sich viele

Eigenheimbesitzer noch schnell eine Photovoltaikanlage aufs Dach setzen. Auch in München ist das so, das Umweltreferat beobachtet eine „starke Nachfrage“: viele Hausbesitzer, die schon länger mit der Nachrüstung geliebäugelt haben, wollten noch bis Juli eine Anlage in Betrieb nehmen. Was die Hersteller freut, bereitet allerdings der Feuerwehr Probleme: Die Einsatzkräfte müssen beim Löschen
von Gebäuden mit Solarstromtechnik besonders vorsichtig sein: Solarmodule lassen sich nicht ohne weiteres abschalten und stehen auch Nachts unter Strom. Wobei die Gleichstromspannung in den Anlagen lebensgefährlich ist.
Bei der Berufsfeuerwehr München hat sich erst vorige Woche der Kommandant einer freiwilligen Feuerwehr in Nieder- Sachsen besorgt über die Gefahren erkundigt.
Die Münchner Feuerwehr gilt als besonders kompetent in dieser Frage, weil sie ihre Leute routinemäßig für diesen Spezialfall bei der Brandbekämpfung schult. Dafür würde eigens der Leitfäden „Gefahr durch die Sonne?" erarbeitet. Der Solarboom fordert dies ein: In der Landeshauptstadt sind rund 1500 Photovoltaikanlagen in Betrieb. Im Jahr 2004 waren es laut Stadtwerke noch 860.


Bei Ström ist die Feuerwehr ohnehin Vorsichtig; Vermeintlich harmlose Keller- brande entwickeln sich nicht selten zu ei-ner heißen Angelegenheit, weil durch die. . Räume Stromleitungen für Licht, Lüf-tung oder andere Gerätschaften freilie-gend und wild durcheinander verlegt wurden. Zwar ist schon ein Schlag aus ei-ner angekokelten 220-Volt-Leitung alles andere als angenehm. Im Vergleich zu dem, was eine Photovoltaikanlage produ-zieren kann, nimmt sieh die haushaltsüb-liche Wechselstromladung aber fast moderat aus. In den Solarmodulen fließen bis zu 1000 Volt Gleichstrom. Schon der Kontakt mit 120 Volt DC ist tödlich. Für die Feuerwehr gilt deshalb beim Löschen eines Hauses. Mit Solartechnik: ''Abstand halten!", wie Karl Pieterek von der Branddirektion sagt. Näher als fünf Me¬ter sollte sich der Löschtrupp nicht an die Anlagen heranwagen. Der, Strom kann den Wasserstrahl als Brücke nutzen und auf die Retter überspringen. Bei. mehr als 1000 Volt Spannung beträgt der Mindestabstand zehn. Meter. Bisher gab es glücklicherweise noch kein Unfälle.
Problematisch ist bei Solarmodulen, dass sie sich zwar vom Netz trennen, aber nicht komplett abschalten lassen. Gesetzlich vorgeschrieben sind seit 2008' lediglich Sicherheitsschalter, mit der die ganze Photovoltaikanlage vom übrigen Stromnetz genommen werden kann. Doch die Solarzellen selbst arbeiten einfach weiter, auch wenn sie beschädigt sind. Es nutzt also nichts, auf die Module einzuschlagen. Die Berufsfeuerwehr hat einmal getestet, ob sich der Umwandlungsprozess der Sonnenenergie durch Löschmittel unterbrechen lässt. Doch selbst komplett mit Schaum besprühte Module erreichten schon nach fünf Minuten wieder ihre Leistungskraft.
Auch bei Rettungseinsätzen in Gebäuden steigt das Risiko: Wenn auf den Dächern neben den Modulen noch Kollekto¬ren zur Warmwassererzeugung liegen, er¬höht sich das Dachgewicht beträchtlich. Im Brandfallsteigt damit die Einsturzgefahr. „Ist das Risiko für uns zu groß", sagt Pieterek, Blassen wir ein Gebäude lieber kontrolliert abbrennen."

 ( Foto: www.feuerwehrmagazin.de)