-Rede des Wehrführers-

Liebe Feuerwehrkameraden und -kameradinen, liebe Ehrengäste, meine Damen und Herren!

Ich darf sie im Namen der Freiwilligen Feuerwehr Willmenrod recht herzlich begrüßen und freue mich, dass sie alle unserer Einladung folgen konnten.

Lassen sie mich meine Ausführungen mit einem Mann beginnen, der auf der Liste der Ehrengäste stand. Er war fast 50-Jahre Mitglied, bis zu seinem 60sten Lebensjahr aktiv und über mehrere Jahre Vorsitzender des Feuerwehrvereins. Ich spreche von unserem langjährigen Wehrführer Heinz Röder. Wie die meisten von ihnen wissen, ist er vor wenigen Tagen plötzlich verstorben. Aufgrund seiner Verdienste um die Feuerwehr ist es das Mindeste, dass wir seiner in einer Schweigeminute gedenken. Ich darf sie daher bitten sich kurz von ihren Plätzen zu erheben. (Wir werden ihm stets ein ehrendes Gedenken bewahren.) Danke.

1927, ein Jahr in dem erstmals zwischen Frankfurt und New York ein Ferngespräch über Funk geführt wurde, in Köln der erste Rosenmontagszug seit 1914 lief und die Reichsbahn die 24-Stundenzeitangabe einführte. 1927 war aber auch ein Jahr der Gründer und Pioniere. So wurde in Fürth das Versandhaus Quelle gegründet und Charles Lindbergh überquert mit seinem Flugzeug „Spirit of St. Louis“ nonstop in 33,5 Stunden den Nordatlantik.

Es lag also sehr Nahe, dass dieser Gründer- und Pioniergeist auch Willmenrod erreichte und eine Einrichtung für den Dienst am Nächsten ins Leben gerufen wurde, die Freiwillige Feuerwehr. Im September 1927 fand unter Beteiligung von 47 Einwohnern die Gründungsversammlung statt.

Leider sind die Gründerväter von damals bereits alle verstorben, so dass wir sie nicht mehr nach ihrer konkreten Absicht befragen und vor allem ihnen heute nicht mehr persönlich danken können. Ich bin aber sicher, dass sie alle Stolz darauf wären, eine Wehr gegründet zu haben, die es seit nunmehr 75 Jahren gibt, die die Wirren des zweiten Weltkrieges überstanden hat und in all den Jahren ihre Bereitschaft zur Hilfe am Mitbürger demonstriert und geleistet hat.

Dies war nicht immer ganz einfach, denn die Ausstattung in den ersten Jahren war aus heutiger Sicht eher spärlich. Zwar verfügte die Wehr relativ früh über eine Motorspritze, diese war aber auf einem Wagen mit Holzrädern installiert und wurde per Hand gezogen.

Was von Anfang an zur Verfügung stand war ein Mitgliedsbuch. Darin ist nicht nur die Vereinssatzung abgedruckt, sondern es enthält auch eine Seite die mit „Strafen“ und eine weitere die mit „Straflöschungen“ überschrieben ist. Also eine Einrichtung, auf die mancher Wehrführer heute gerne zurückgreifen würde. So musste z.B. der Ausschluss aus der Wehr erfolgen, wenn der Feuerwehrmann zu den Übungen oder Bränden dreimal ohne genügende oder rechtzeitige Entschuldigung nicht erschienen ist.

Ferner enthielt der §16 eine Reihe von Vertragsstrafen. Jedes verspätete Erscheinen bei einer Übung oder einem Brand kostete 0,25 RM, jedes nicht genehmigte Fehlen sogar 0,50 RM. Des weiteren gab es die Möglichkeit der Verwarnung, des gelinden bzw. strengen Verweises und des vorläufigen sofortigen Ausschlusses. Diese Strafformen wurden in das Mitgliedsbuch eingetragen und konnten bei guter Führung nach fünf Jahren gelöscht werden.

Ich persönlich vermisse diese Bestrafungsmöglichkeiten nicht, denn ich kann mich im Wesentlichen auf meine Leute verlassen und ich möchte dieses Forum hier heute nutzen um mich bei allen Aktiven für ihre Zuverlässigkeit zu bedanken. In meinen Dank einbeziehen möchte ich aber auch die passiven Mitglieder, die immer wenn sie gebraucht werden zur Verfügung stehen. So z.B. bei der Durchführung der Kirmes oder des heutigen Jubiläums.

Ebenfalls in der Satzung von 1927 bereits geregelt war, dass der Dienst der Aktiven mit dem 60sten Lebensjahr endete und man dann in die Altersabteilung übernommen wurde. Selbst dann bestand noch die Pflicht an den Versammlungen der Wehr teilzunehmen. Diesen Passus haben wir auf unsere heutigen Alterskameraden übertragen und sie per Einladung verpflichtet heute teilzunehmen. Ich gehe aber davon aus, dass ihr alle freiwillig und gerne hier seit und darf Euch recht herzlich willkommen heißen. 
Bei meinen chronologischen Betrachtungen muss ich auch auf das schwarze Kapitel in der deutschen Geschichte zurückkommen, nämlich den zweiten Weltkrieg. Wie in den meisten Gemeinden waren viele der wehrfähigen Männer im Krieg und standen somit für Feuerwehraufgaben nicht zur Verfügung. Dies bedeutete aber nicht, das unsere Wehr über einen gewissen Zeitraum handlungsunfähig gewesen wäre. Im Gegenteil, eine ganze Reihe von Frauen übernahmen die Aufgabe, sodass der Brandschutz auch in den Kriegsjahren gewährleistet war. 
Wir haben aus großem Respekt heraus ein Gruppenfoto dieser Einsatzgruppe, die übrigens unter der Leitung von Ferdinand Bellinger und August Menges standen, in unserem Aufenthaltsraum aufgehängt und ich möchte den Dank der gesamten Wehr an diese Frauen übermitteln.


In den ersten Jahrzehnten war die Ortsgemeinde für die Feuerwehr und somit auch für deren Ausstattung zuständig. Was sich u.a. darin äußerte, dass wir zunächst in einem Raum des alten Backes und ab 1958 in zwei Garagen des Gemeindehauses untergebracht waren.

Auch die Ausstattung der Wehr wurde stetig verbessert. So wurde der Handwagen durch einen Tragkraftspritzenanhänger ersetzt und im Jahre 1963 konnte dort auch die neue TS8/8 untergebracht werden. 
Die für die Anschaffungen notwendigen Mittel musste sich der Bürgermeister von seinem Gemeinderat genehmigen lassen, was sicherlich hier und da zu leichten Diskussionen führte. Einer der über viele Jahre hinweg in diesem Bereich seine Erfahrungen gemacht hat ist unser ehemaliger Bürgermeister Eduard Hof, den ich ebenfalls in unserer Mitte begrüßen kann. Lieber Eduard, vielen Dank für dein offenes Ohr, was Du für die Belange der Wehr hattest. Du hast somit ebenfalls zur Entwicklung der Wehr beigetragen.

Im Jahre 1975 ging die Bürde des Feuerwehrwesens von der Ortsgemeinde auf die 1972 gegründete Verbandsgemeinde über.

Ich begrüße daher den Verbandsbürgermeister Schönberger, den für die Feuerwehren zuständigen Beigeordneten Gerhard Loos und den für das operative Geschäft verantwortlichen Abteilungsleiter Günter Seekatz.

Seit dieser Zeit gibt es auch die Funktion des Wehrleiters. Da sich der Wehrleiter zur Zeit in Urlaub befindet, ist sein Stellvertreter Michael Wisser erschienen, den ich nicht minder herzlich hier begrüße. Ich möchte auch sofort hier die Gelegenheit ergreifen um ihm für seine Unterstützung bei der Vorbereitung und der Durchführung unserer Gemeinschaftsübung zu danken. Diese Übung hätte auch in dieser Form nicht stattfinden können, wenn wir nicht ein so ergiebiges Übungsobjekt gehabt hätten. Daher mein Dank an die Fa. Stahl für die Überlassung ihrer Halle.

Der Übergang zur Verbandsgemeinde bedeutete zum Glück keinen Stillstand in der Ausrüstung der Wehr, denn bereits im Jahre 1978 wurde ein neues Tragkraftspritzenfahrzeug in Dienst gestellt. Dieses Fahrzeug steht noch heute in unseren Diensten, auch wenn der Zahn der Zeit nicht ganz spurlos an ihm vorüber gegangen ist.. Dies sollte jetzt kein dezenter Hinweis an die zuständige Verbandsgemeinde sein.

Bevor ich mich bei den zuständigen Gremien bzw. deren Vertreter bedanke, möchte ich noch an das Jahr 1995 erinnern. Damals konnten wir unser neues Gerätehaus einweihen, das mit viel Eigenleistung der Mitglieder, der Unterstützung der Ortsgemeinde und der finanziellen Absicherung durch die Verbandsgemeinde erstellt wurde.

1995 ist auch das Gründungsjahr unserer Jugendfeuerwehr. Auslöser für diese Gründung waren langjährige Personalprobleme. Gestartet wurde mit viel Euphorie und einer beachtlichen Anzahl an Jugendlichen. Im Laufe der Jahre ist die Anzahl gesunken, aber wir haben immer noch ein ausreichende Gruppenstärke und sind mit unserer Jugendfeuerwehr sehr zufrieden. Ich kann nur jeder Wehr empfehlen diese Art von Jugendarbeit zu betreiben. Wir haben mittlerweile einige aus der Jugendwehr in die Gruppe der Aktiven übernehmen können und somit unsere Personalprobleme gelöst. Gleichzeitig kann ich sagen, dass diese Wehrmänner zu den aktivsten und treuesten gehören.

Wenn in meinen bisherigen Ausführungen mehrmals die Rede von Ausstattung und Ausrüstung die Rede war, so möchte ich nun auch ein paar Aussagen zu den Menschen in der Wehr machen. 
Jegliche Ausstattung nützt nichts, wenn das benötigte Personal nicht damit umgehen kann. Dies ist auch uns bewusst und so wird die Handhabung der Gerätschaften und das theoretische Wissen durch monatliche Übungen und durch die Teilnahme an Lehrgängen permanent verbessert.

Es heißt zwar immer Eigenlob stinkt, aber ich behaupte, dass unser Ausbildungsstand ausreicht um den üblichen Anforderungen an einen Feuerwehreinsatz genügen zu können.
Dies haben wir auch bereits zweimal dokumentiert. So haben wir die Prüfung für das Leistungsabteichen in Bronze und zwei Jahre später in Silber abgelegt. Für das nächste Jahr ist wiederum die Teilnahme für das Bronzene Leistungsabzeichen vorgesehen, damit auch die neu hinzugekommenen Aktiven ihr Wissen dokumentieren können.

Leider mussten wir uns nicht nur in Übungen, sondern auch in Einsätzen behaupten. Beispielhaft möchte ich an den Wohnungsbrand bei Meurer im Jahre 1976, an den Brand in der Neujahrsnacht 88/89 bei der Wilden Sau und an den Garagenbrand am Pfarrhaus in 1995 erinnern. Auch das laufende Jahr hat uns bis jetzt drei Einsätze beschert. Glücklicherweise sind bei allen Vorkommnissen keine Personen zu schaden gekommen.

Einer der sich sicherlich darüber freut eine gut ausgebildete und einsatzbereite Wehr in seinem Ort zu haben, ist unser Ortsbürgermeister Jürgen Hof, den ich hier ebenso herzlich begrüße wie die Damen und Herren vom Gemeinderat.

Jeder der Anwesenden kennt den Wahlspruch der Feuerwehr „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr“. Hieraus lässt sich ableiten, dass die Feuerwehren auf göttlichen Beistand hoffen. Auch wir tun dies und haben daher unseren Pfarrer Hr. Hartmann eingeladen, den ich ebenfalls recht herzlich begrüße. Er wird gleich noch einige Worte an uns richten, wofür ich mich schon im voraus bedanken möchte.

Wie bereits eben erwähnt, ist zwar die Verbandsgemeinde für die Feuerwehr zuständig, aber wir werden immer die Wehr von und für Willmenrod bleiben. Wir möchten Teil des Willmenroder Lebens sein, so dass es für uns selbstverständlich war die übrigen Vereine zu unserem Jubiläum einzuladen. Ich heiße daher auch alle anwesenden Vereinsvorsitzenden in unserer Mitte herzlich willkommen. 
Willmenrod verfügt über eine großen Wald in dem permanent Brandgefahren lauern. Einer der sich sehr oft im Wald aufhält und somit Veränderungen leicht erkennen kann, ist der Jagdpächter Horz. Auch er gehört somit als Gast zu unserer Feier und ich freue mich, dass er heute hier erschienen ist.

Wie in allen anderen Gemeinden auch, besteht die Feuerwehr nicht nur aus aktiven, sondern auch aus passiven Mitgliedern. Beide Gruppen gehören zusammen und gemeinsam bilden sie den Feuerwehrverein. Ein Verein der nur dann Jahrzehnte überleben kann, wenn er Mitglieder hat, welche über Jahre hinaus zu ihm stehen. Die ihn sowohl beim Feiern als auch beim arbeiten unterstützen und in erster Linie das Wohl des Vereins im Auge haben.

Ich möchte mich von hier aus einmal bei allen Mitgliedern für die bisherige und aktuell auch für die heutige tatkräftige Mitarbeit bedanken. Es ist für einen Vorstand und auch den Wehrführer ein tolles Gefühl, wenn man weiß, dass man sich auf seine Mitglieder verlassen. 
Es soll aber nicht nur bei diesen Worten bleiben, denn von Zeit zu Zeit muß man sich auch einmal erkenntlich zeigen. Dies wollen wir heute tun, in dem wir 5 Mitglieder für 50-jährige Mitgliedschaft ehren und ich begrüße diese Jubilare hiermit ebenfalls ganz herzlich in unserer Mitte.

Für jeden Redner, sei es politisch oder vereinsmäßig ist es fatal, wenn er in seine Begrüßungsansprache die Presse vergisst. Denn getreu dem Motto „Tue Gutes und rede darüber“, sodass möglichst viele von den Guten Taten erfahren, gibt es wohl kaum ein besseres Medium als die örtliche Presse um sein Gedankengut zu verbreiten. Ich begrüße daher besonders herzlich ............................................. von der Westerwälder Zeitung.

Zuletzt möchte ich alle Feuerwehrleute hier willkommen heißen. Zu letzt nicht etwa deshalb weil ich bei meinen Ausführungen nach einer Rangfolge vorgegangen wäre und ihr für mich die letzten seit. Nein, zu letzt deshalb, weil sich die letzten Sätze eines Redners beim Zuhörer am besten einprägen und ich möchte, dass sich mein Dank für euer Erscheinen und euren Einsatzwillen, den wir bei der gemeinsamen Übung erleben konnten, bei Euch einprägen.

Lasst in euren Anstrengungen nicht nach, denn nur so werden wir als Feuerwehr in unseren Ortsgemeinden anerkannt und nur so sind wir für unsere Mitbürger eine Sicherheit.
Es ist eine alte Gepflogenheit, dass die Jubiläumswehr ihren Gästen ein kleines Gastgeschenk überreicht. Wie wir in unserer Einladung bereits angekündigt haben, verzichten wir auf ein solches Geschenk. Wir werden die eingesparten Kosten, die wir auf einen runden Betrag von 500 Euro aufgestockt haben, in den nächsten Tagen zu Gunsten der Flutopfer spenden. Ich bedanke mich für euer Verständnis und die vielen zustimmenden Äußerungen der letzten Tage.

Abschließend möchte ich all diejenigen willkommen heißen, die ich bei meinen Ausführungen vergessen habe. Sehen sie es mir nach, es war keinerlei böse Absicht dabei.

Ich bedanke mich für ihre bzw. eure Aufmerksamkeit und hoffe, das wir gemeinsam noch ein paar schöne Stunden hier verbringen und uns auch das eine oder andere Bier genehmigen.